Die Abschaffung des Bewerbungsfotos

Wird die anonyme Bewerbung doch verpflichtend?

Aktuell liegt das Aus vom Bewerbungsfoto in aller Munde! Durch ein Statement von Personalchefin Janina Kugel (Siemens) brodelt die Gerüchteküche. Vor wenigen Tagen sprach Sie aus, was Befürworter der anonymen Bewerbung schon lange predigen. Das Bewerbungsfoto würde korrekte Personalentscheidungen unmöglich machen, da es den Firmenverantwortlichen unbewusst beeinflusst, so Kugel sinngemäß. Doch was bedeutet diese neue Debatte für künftige Bewerber? Wir haben die Antworten.

Bewerbungsfoto 2016: Stimmen der Debatte

Die Gemüter sind gespalten, unbefriedigt und um Lösungsansätze bemüht. Das Bewerbungsfoto ist ein fester Bestandteil der deutschen Bewerbungskultur. Dennoch wird es wiederholt als sinnvolle Ergänzung der Bewerbungsunterlagen infrage gestellt.

Janina Kugel ist mit ihrer Aussage kurzerhand zum Sprachrohr der Opposition geworden, welche das Bewerbungsfoto als vermeidbare Grundlage für die Diskriminierung von Bewerbern betrachtet. Es gibt viele Befürworter für diese These. Nicht nur Frauen und Ausländer werden in diesem Zuge als Benachteiligte genannt. Freigeister, wie der Punker von nebenan, der sich den konservativen Standards nicht anzupassen vermag, sieht keine Vorteile im Bewerbungsfoto. Ein klares Nein zu dem Foto in der Bewerbung klingt mit.

Diese Sichtweise ist jedoch nicht jedem genug durchdacht. Stimmen aus anderen Führungsetagen sehen die Sachlage weitaus nüchterner. Melanie Jaklin (Konzern-Personalleiterin der Jenoptik AG), Jörg Nitschke (Unternehmenssprecher Carl Zeiss) und Verantwortliche der Adam Opel AG sind sich im Konsens einig: In ihren Unternehmen werden ohnehin keine Bewerbungsfotos gefordert. Erhaltene Fotos in Bewerbungen werden gerne zur Kenntnis genommen. Diese können dann natürlich nicht unbemerkt bleiben, sind aber keine Entscheidungsgrundlage für die Vergabe einer Arbeitsstelle.

Unterm Strich steht die freie Meinung

Gegner des Bewerbungsfotos sind sich sicher, dass die Bewertung eines Bewerbers zu häufig aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes gefällt wird. Es werde auf diesem Wege über zu viele persönliche Faktoren gerichtet, die nicht relevant seien. Doch selbst wenn Bewerber auf ein Foto verzichten, bleiben genügend Anhaltspunkte, um die Identität eines Bewerbers zu erahnen – z.B. Vor- und Zuname, Sprachkenntnisse und Standorte vergangener Arbeitsstellen.

Ein Verbot von Bewerbungsfotos wäre somit kein 100% Schutz vor dem persönlichen Empfinden von Firmenverantwortlichen und zudem eine fragwürdige Entscheidung. Viele deutsche Unternehmen respektieren die Entscheidung von Bewerbern gegen ein Bewerbungsfoto, aber sind ebenfalls vom Recht auf eine individuelle und kreative Präsentationsweise überzeugt.

Was sagen die Experten?

Auch Kenner von beiden Seiten melden sich zu Wort. Arbeitsvermittlungs-Experte Lars Naundorf (Quelle: Thüringer Allgemeine) ist sich zum Beispiel sicher: „Das [Bewerbungsfoto] gehört unbedingt dazu, um sich ein Bild von einem Bewerber zu machen.“ Unternehmen suchen eben Originale, Identifikationsfiguren und die sind nur mit Bewerbungsfoto auszumachen.

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